Pinch-Hitter-Trainings für Co-Piloten im Gyrocopter

In der professionellen und auch militärischen Luftfahrt ist es völlig normal, dass sich zwei Piloten im Cockpit die Arbeit teilen. Das mindert den Stress und führt dazu, dass sich beide auf ihre jeweilige Aufgabe konzentrieren können. Der „Pilot Flying“ steuert den Flug und übernimmt alle Vorbereitungen, die direkt damit zu tun haben. Der „Pilot Monitoring“ ist für alle anderen Angelegenheiten verantwortlich.

 

In der zivilen Luftfahrt gibt es meist nur einen Piloten an Bord, so auch beim Tragschrauber-Fliegen. Er muss sich um alle Belange kümmern, die mit dem Flug zu tun haben. Gerade in stressigen Situationen, etwa wenn viel Verkehr oder schwierige Witterungsverhältnisse herrschen, bietet es sich aber an, dass der Passagier zum Mitflieger wird und den Piloten unterstützt. Das kann vom „Ausschau halten“ über das Funken bis hin zur navigatorischen Unterstützung reichen.

Wozu braucht denn bitte ein Mitflieger im Tragschrauber ein Training?

Damit das Miteinander im Cockpit gelingt, ist jedoch etwas Übung notwendig. Alles, was Mitflieger dafür wissen müssen, lernen sie im Co-Piloten-Programm der Aeronauten. Ziel ist es einerseits, den Piloten zu entlasten, wenn es stressig wird und andererseits natürlich auch Freude und Verständnis für das Fliegen zu wecken. So wird aus Pilot und Passagier bald eine Crew.

Und was ist, wenn der Pilot einmal nicht mehr selbst steuern kann? Auf diese Situation bereiten wir Mitflieger in unserem Pinch Hitter Training vor. Das Training ist keine Pilotenausbildung, es soll den Mitflieger aber befähigen, im „Fall der Fälle“ den Tragschrauber an einem Flugplatz sicher zu landen.

Was können Tragschrauber-Mitflieger bei den Aeronauten lernen?

Das Co-Piloten-Programm in dem aus einem Passagier ein aktiver Mitflieger wird, besteht aus drei Stufen. Die einzelnen Stufen haben unterschiedliche Schwerpunkte und bauen aufeinander auf. Sie können aber auch separat gebucht werden.

1. Funker

In unserem BZF-II-Funkkurs lernen die Mitflieger die Grundlagen des Flugverkehrs sowie die Bedienung des Funkgeräts und die korrekten Sprechfunkgruppen. Der Kurs bereitet auf die Prüfung für das Sprechfunkzeugnis in deutscher Sprache (BZF II) vor und sollte auch mit dieser abschließen.

 

So können die Co-Piloten im Tragschrauber nicht nur an unkontrollierten Plätzen, sondern auch in Kontrollzonen sicher das Funkgerät bedienen und der Pilot kann sich auf das Führen des Gyrocopters konzentrieren.

 

Aufwand und Kosten:     Auf der separaten Seite zum Sprechfunkzeugnis findest du weitere Informationen zu diesem Thema, das auch die erste Stufe in unserem Pinch-Hitter-Training speziell für Co-Piloten im Tragschrauber ist.

2. Co-Pilot

Wäre es nicht manchmal gut, wenn der Co-Pilot bei der Navigation unterstützen würde? Oder mal kurzzeitig unter der Aufsicht des Piloten das Steuer im Tragschrauber übernehmen könnte? – Genau das üben wir in der zweiten Stufe des Co-Piloten-Programms. Wir zeigen, wie man mit der Karte navigiert, Kompasskurse fliegt und Bodenmerkmale erkennt. Unter der Aufsicht des Fluglehrers als verantwortlichen Piloten übt der Co-Pilot, wie er Kurs und Höhe halten, steigen, sinken oder kurven kann.

Aufwand:     zwei bis drei Stunden Theorie je nach Vorwissen sowie zwei bis vier Flugstunden an einem Wochenende
Kosten:     Theorie 100 €, das Fliegen wird von Start bis Landung mit 175 € pro Stunde nach tatsächlichem Aufwand berechnet

3. Pinch Hitter

Wer oder was ist eigentlich ein "Pinch Hitter"? Das englische Verb „to pinch-hit“ bedeutet, etwas für jemanden zu tun, der selbst nicht mehr in der Lage ist, es selbst zu tun. Beim Baseball wird der Reservespieler als „Pinch-Hitter“ bezeichnet. Und darum geht es im übertragenen Sinn auch beim „Pinch-Hitter“-Training in der Luftfahrt.

 

Wenn der Pilot aus irgendeinem Grund nicht mehr in der Lage ist, den Tragschrauber zu führen, dann sollte der Co-Pilot wissen, wie man sich im „Fall der Fälle“ verhalten, wen man per Funk um Hilfe bitten und wie man den Gyrocopter landen kann. Und genau darum geht es, beim Pinch Hitter Training. Das Szenario wird theoretisch und praktisch geübt. Dabei sollen die Landungen keinen Schönheitspreis gewinnen, aber sicher sein. Neben dem Sicherheitsaspekt soll auch der Spaß nicht zu kurz kommen.

Aktuell bieten wir dieses Training auf Magni M24 und dem Magni M16 an.

Aufwand:     vier bis fünf Stunden Theorie je nach Vorwissen und etwa fünf bis sechs Flugstunden an einem verlängerten Wochenende
Kosten:     Theorie 150 €, das Fliegen wird von Start bis Landung mit 175 € pro Stunde nach tatsächlichem Aufwand berechnet

Übung macht den Meister

Daher sollten Piloten ihren Co-Piloten auch die Möglichkeit geben, regelmäßig Funk, Transponder und GPS zu bedienen und bei der Navigation zu unterstützen. Da sich manche Piloten schon gar nicht mehr erinnern, weisen wir gerne noch einmal darauf hin: Jeder Anfang ist schwer und ein Versprecher am Funk kein Weltuntergang!


Es versteht sich von selbst, aber zur Sicherheit möchten wir noch einmal klarstellen: Landungen dürfen nur mit einem Fluglehrer geübt werden.

Kann jeder am Co-Piloten-Programm teilnehmen?

Das Programm richtet sich an Personen, die regelmäßig mitfliegen oder einfach mal in die Tragschrauber-Fliegerei reinschnuppern möchten. Alter, Geschlecht und Vorwissen sind dabei völlig egal.

Allerdings erwarten wir – wie von unseren Flugschülern auch – Verantwortungsbewusstsein und Verlässlichkeit von den angehenden Co-Piloten und Pinch Hittern. Außerdem sollten sie gesund sein und nicht über 120 kg wiegen.

Unser Pinch-Hitter-Programm für Tragschrauber in der Presse

In der Juli-Ausgabe 2018 des Aerokuriers berichtete Tashi Dolma Hinz über unser Pinch-Hitter-Training für Tragschrauber-Co-Piloten. Lest doch einfach selbst, wie das Training bei der Fachjournalistin ankam.

 

Wir danken an dieser Stelle herzlich für die gute Zusammenarbeit und die schönen Bilder, die diese Seite schmücken. Das Copyright dieser Bilder liegt bei Tashi Dolma Hinz, Aerokurier.